Ab einer gewissen Größe arbeitet kaum ein Shopify-Shop allein: Bestand, Einkauf, Rechnungen, Versand und oft weitere Kanäle wie Amazon oder eBay laufen über eine Warenwirtschaft oder ein ERP. Die Anbindung entscheidet, ob Bestände stimmen, Rechnungen automatisch entstehen und das Team ohne doppelte Pflege arbeitet. Die gute Nachricht: Für die gängigen Systeme gibt es fertige Connectoren. Die schlechte: Kein Connector nimmt Ihnen die Entscheidungen ab.
Erst klären: welches System führt?
Jedes Datum braucht genau ein führendes System. Wird ein Preis an zwei Stellen gepflegt, gewinnt irgendwann die falsche. Eine typische, bewährte Verteilung:
| Daten | Führend meist | Richtung |
|---|---|---|
| Artikelstamm, SKU, Barcode | Warenwirtschaft | Warenwirtschaft → Shopify |
| Produkttexte, Bilder, SEO-Felder | Shopify | bleibt in Shopify, wird nicht überschrieben |
| Preise und Streichpreise | Warenwirtschaft | Warenwirtschaft → Shopify |
| Bestand | Warenwirtschaft | Warenwirtschaft → Shopify, möglichst zeitnah |
| Bestellungen und Kunden | Shopify | Shopify → Warenwirtschaft |
| Versandstatus und Sendungsnummer | Warenwirtschaft | Warenwirtschaft → Shopify, löst die Versandmail aus |
| Rechnungen | Warenwirtschaft | Rechnung entsteht dort, Link oder PDF optional in Shopify |
Der häufigste Konflikt betrifft Produkttexte: Viele Connectoren können Beschreibungen aus der Warenwirtschaft übertragen. Pflegt das Marketing Texte und SEO-Felder aber in Shopify, überschreibt der nächste Abgleich die Arbeit. Legen Sie fest, welche Felder der Connector schreiben darf — und schalten Sie den Rest ab.
Die Optionen im Überblick
- JTL-Wawi: JTL bietet mit dem JTL ERP-Connector eine eigene App im Shopify App Store an — Artikel, Bestand und Bestellimport. Daneben gibt es Connectoren von JTL-Servicepartnern. Nach dem ersten Abgleich ist JTL-Wawi führend; Änderungen gehören dann in die Wawi, nicht in Shopify.
- Billbee: Auftragsabwicklung für kleinere und mittlere Händler mit vielen Kanälen; bindet Shopify direkt an, übernimmt Bestellungen, Rechnungen, Versandetiketten und Bestandsabgleich.
- Xentral, weclapp und andere Cloud-ERPs: Shopify-Schnittstellen vom Anbieter oder von Partnern. Der Funktionsumfang unterscheidet sich stark — besonders bei Varianten, Bundles und Rücksendungen.
- Eigene Anbindung über die Shopify-API: sinnvoll bei einem individuellen ERP, bei besonderen Abläufen oder wenn ein Connector eine Kernfunktion nicht abdeckt.
Prüfen Sie Bewertungen und Changelog eines Connectors kritisch. Im Shopify App Store sehen Sie, wie Händler die Unterstützung erleben und ob Probleme beantwortet werden — bei einer Schnittstelle, über die jede Bestellung läuft, ist das wichtiger als der Funktionskatalog.
Wo Anbindungen in der Praxis brechen
Varianten und Optionen
Shopify erlaubt drei Optionen je Produkt und bis zu 2.048 Varianten. Viele Warenwirtschaften kennen Vater-Kind-Artikel mit beliebig vielen Merkmalen. Wird ein Artikel mit vier Merkmalen übertragen, scheitert der Abgleich oder legt Produkte doppelt an. Klären Sie die Abbildung vor dem ersten Abgleich — und achten Sie darauf, dass jede SKU eindeutig ist.
Bundles und Sets
Ein Set aus drei Artikeln ist in Shopify ein Produkt, im Lager aber drei Bestände. Ob der Connector Stücklisten auflöst oder das Set als eigenen Artikel führt, entscheidet darüber, ob Bestände stimmen.
Teillieferungen, Stornos und Retouren
Testen Sie nicht nur die glatte Bestellung. Was passiert, wenn eine Position nachgeliefert wird, ein Kunde einen Artikel storniert oder eine Rücksendung eingeht? Jede dieser Bewegungen muss in beide Richtungen ankommen, sonst stimmen Bestand, Rechnung oder Erstattung nicht.
Steuern und Auslandsversand
Liefern Sie mit OSS-Verfahren in andere EU-Länder oder in die Schweiz, müssen Steuersätze und Rechnungen je Zielland stimmen. Shopify berechnet die Steuer im Checkout, die Warenwirtschaft schreibt die Rechnung — beide müssen dieselbe Logik haben. Prüfen Sie Testbestellungen in jedes Lieferland, bevor Kunden es tun.
Bestandstakt
Läuft der Bestandsabgleich nur alle 30 Minuten, verkauft ein Shop mit mehreren Kanälen im Aktionszeitraum Ware, die es nicht mehr gibt. Fragen Sie nach der Taktung und ob Bestände bei einer Bestellung sofort reserviert werden.
Unser Vorgehen bei einer Anbindung
- Datenhoheit je Feld festlegen und schriftlich festhalten.
- Connector auswählen — oder entscheiden, dass eine eigene Anbindung nötig ist.
- Artikelstamm bereinigen: eindeutige SKUs, Varianten mit höchstens drei Optionen, Barcodes.
- Testshop mit Testbestellungen für Standard-, Teil-, Storno- und Auslandsfall.
- Start mit Beobachtung der ersten Tage: Bestandsabweichungen, fehlende Bestellungen, Fehlerprotokoll.
Wer gerade von Magento oder Shopware wechselt, plant die Anbindung am besten gleich mit — siehe Magento zu Shopify und Shopware zu Shopify. Wo kein Connector passt, entwickeln wir die Schnittstelle als eigene Shopify-App.