MIGRATION · 4 Min. Lesezeit ·

Magento zu Shopify migrieren: Ablauf, Datenübernahme und SEO

Konfigurierbare Produkte, Attributsets, Store Views, Kundengruppen und .html-URLs: was bei einem Umzug von Magento 2 oder Adobe Commerce zu Shopify passiert, was Sie entscheiden müssen und wie die Rankings erhalten bleiben.

Shopindev Team

Die meisten Händler, die von Magento zu Shopify wechseln, wechseln nicht wegen einer Funktion, sondern wegen des Betriebs: Hosting, Sicherheitspatches, Versions-Upgrades, Konflikte zwischen Erweiterungen und Entwicklerstunden, die nur dafür anfallen, dass der Shop läuft. Shopify nimmt diesen Teil weg. Dafür ist das Datenmodell enger, und genau dort entscheidet sich, ob eine Migration sauber wird.

Für wen sich der Umzug lohnt — und für wen nicht

Gut passt Shopify, wenn Ihr Shop im Kern ein Katalog mit Varianten, Warenkorb und Checkout ist und der größte Aufwand heute in Wartung statt in Weiterentwicklung fließt. Genauer prüfen sollten Sie, wenn Magento tief individuelle Preislogik, komplexe Produktkonfiguratoren oder eine eigene Checkout-Strecke trägt. Das lässt sich in Shopify meist abbilden — mit Shopify Functions, Checkout-Erweiterungen oder einer eigenen App —, aber es ist Entwicklungsarbeit, die in die Kalkulation gehört.

Was umzieht und wie es sich übersetzt

MagentoShopifyWorauf achten
Einfache ProdukteProdukteSKU, Preis, Gewicht, Bilder und Texte ziehen direkt um
Konfigurierbare ProdukteProdukt mit VariantenHöchstens drei Optionen, bis zu 2.048 Varianten je Produkt
Attributsets und AttributeMetafelder und MetaobjekteDefinitionen vorher anlegen, sonst landen Daten als Freitext
KategorienKollektionenVerschachtelte Bäume werden über Menüs und Filter abgebildet
Store ViewsMärkte und SprachenÜbersetzungen und Preise je Markt, Unterordner statt eigener Domains
Kundengruppen und PreiseB2B-Unternehmen und KatalogeB2B gibt es seit April 2026 in allen Tarifen; Plus erlaubt unbegrenzt Kataloge
CMS-Seiten und BlöckeSeiten und Theme-AbschnitteBlöcke werden zu Sections, die das Team selbst pflegt
BewertungenBewertungs-AppShopify hat kein eingebautes Bewertungssystem

Konfigurierbare Produkte und Optionen

Magento erlaubt beliebig viele konfigurierbare Attribute. Shopify erlaubt drei Optionen je Produkt — etwa Farbe, Größe und Material. Seit Oktober 2025 sind dafür bis zu 2.048 Varianten je Produkt möglich, früher waren es 100. Hat ein Produkt eine vierte Dimension, wird sie entweder zu einem eigenen Produkt, das über Metafelder oder — auf Plus — über kombinierte Produktlisten verknüpft wird, oder zu einer Personalisierung über eine App. Diese Entscheidung treffen wir pro Produkttyp im Audit, nicht beim Import.

Attribute, Filter und Produktdaten

Attribute wie Material, Pflegehinweis oder Herstellerangaben werden zu Metafeldern mit festen Definitionen. Das ist mehr als Ordnung: Nur definierte Metafelder lassen sich im Theme gezielt ausgeben und in der Shopify Search & Discovery App als Filter nutzen. Gleichzeitig ist der Umzug die beste Gelegenheit, die Pflichtangaben nach der GPSR sauber als Felder anzulegen statt im Beschreibungstext zu verstecken.

Kunden und Passwörter

Kundenkonten mit Adressen ziehen um, Passwörter nicht — Magento und Shopify speichern sie unterschiedlich verschlüsselt, ein Export der Klartextpasswörter ist weder möglich noch zulässig. Mit den neuen Kundenkonten von Shopify spielt das kaum noch eine Rolle: Kunden melden sich mit einem Einmalcode per E-Mail an und brauchen kein Passwort. Planen Sie trotzdem eine kurze Mail an Bestandskunden zum Start ein.

Bestellhistorie

Alte Bestellungen werden als Archiv importiert, ohne dass Kunden Benachrichtigungen erhalten und ohne dass Lagerbestände erneut gebucht werden. Das ist wichtig für Kundenservice, Wiederkäufer-Auswertungen und Kundenkonten. Wie viele Jahre Sie übernehmen, ist eine Kostenfrage — Rechnungen und steuerrelevante Belege bleiben ohnehin in Ihrer Buchhaltung und müssen nach den Aufbewahrungsfristen weiter verfügbar sein.

URLs und SEO: hier entstehen die Verluste

Magento-URLs sehen typischerweise so aus: /damen/schuhe/sneaker-weiss.html. In Shopify liegen Produkte unter /products/ und Kategorien unter /collections/, ohne .html und ohne Kategoriepfad. Jede alte URL mit Traffic oder Backlinks braucht deshalb eine 301-Weiterleitung auf ihr genaues Gegenstück — nicht pauschal auf die Startseite. Dazu gehören auch Produkte, die unter mehreren Kategoriepfaden erreichbar waren, Filter-URLs mit Traffic, Bilder mit Backlinks und alte Store-View-Pfade wie /de/ oder /at/.

  • Alle URLs aus Sitemap, Crawl, Search Console und Backlink-Daten sammeln, nicht nur aus dem Magento-Export.
  • Jede URL einem Ziel in Shopify zuordnen und die Karte vor dem Domainwechsel als Weiterleitungen importieren.
  • Titel, Meta-Beschreibungen und Überschriften der Seiten mit Rankings übernehmen, nicht neu formulieren.
  • Strukturierte Daten (Produkt, Breadcrumb, Organisation) im neuen Theme prüfen.
  • Nach dem Start die Search Console täglich auf 404-Fehler und Indexierungsprobleme kontrollieren.

Wie wir die Weiterleitungskarte aufbauen und was in den ersten Wochen nach dem Wechsel normal ist, beschreibt der Beitrag zur Migration von WooCommerce — das Vorgehen ist bei Magento identisch, nur die Zahl der URLs ist meist größer.

Erweiterungen, Integrationen und Checkout

Erweiterungen ziehen nicht um. Im Audit listen wir jede Erweiterung mit ihrer Geschäftsfunktion auf und entscheiden: Shopify kann es selbst, eine App deckt es ab, oder es braucht eine eigene Lösung. Rabattlogik und Versandregeln laufen heute über Shopify Functions; Anpassungen am Checkout über Checkout-Erweiterungen. Anbindungen an Warenwirtschaft, ERP oder Fulfillment werden neu aufgesetzt — welche Varianten es dafür gibt, steht im Beitrag zur Warenwirtschaft-Anbindung.

Der Ablauf in fünf Schritten

  1. Audit: Datenmodell, Erweiterungen, Integrationen, URLs und aktuelle SEO-Leistung.
  2. Aufbau: Shopify-Shop mit Theme, Zahlungsarten, Versand, Steuern und Rechtstexten, während Magento live bleibt.
  3. Probeimport: Produkte, Kunden und Bestellungen in mehreren Durchläufen, mit Abgleich von Stückzahlen und Stichproben.
  4. Weiterleitungen und Test: 301-Karte, Testbestellungen, Prüfung aller Integrationen.
  5. Umschaltung: Delta-Import der letzten Bestellungen und Kunden, Domainwechsel bei wenig Traffic, danach Monitoring.

Den Umzug übernehmen wir als Paket mit festem Umfang und schriftlichem Migrationsbericht — mehr dazu auf der Seite Shopify Migration.

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HÄUFIGE FRAGEN

Häufige Fragen zu diesem Thema

Kann ich meine Magento-Daten automatisch zu Shopify übertragen?

Produkte, Kunden und Bestellungen lassen sich mit Import-Tools wie Matrixify oder über die Shopify-API weitgehend automatisch übertragen. Automatisch heißt aber nicht fertig: Konfigurierbare Produkte, Attribute und Kundengruppen müssen vorher auf das Shopify-Datenmodell abgebildet werden.

Verliere ich bei der Migration meine Google-Rankings?

Nicht, wenn jede alte URL mit Traffic oder Backlinks per 301 auf ihr genaues Gegenstück weitergeleitet wird und Titel, Texte und strukturierte Daten erhalten bleiben. Eine Schwankung in den ersten Wochen ist normal.

Was passiert mit den Passwörtern meiner Kunden?

Sie lassen sich nicht übertragen. Mit den neuen Kundenkonten von Shopify melden sich Kunden ohnehin mit einem Einmalcode per E-Mail an.

Brauche ich für einen großen Magento-Shop Shopify Plus?

Nicht automatisch. Plus lohnt sich bei sehr hohem Umsatz, vielen B2B-Katalogen, Checkout-Anpassungen oder mehreren Shops. Viele Magento-Shops laufen auf einem regulären Tarif.