Jahrelang war der Script Editor das Werkzeug der Wahl, wenn ein Plus-Shop im Checkout etwas tun sollte, das Shopify nicht vorsah: Staffelrabatte, versteckte Zahlungsarten für Neukunden, Versandarten nach Postleitzahl. Diese Ära ist vorbei. Wenn Ihr Shop noch mit Scripts gearbeitet hat und seit Juli etwas „anders“ rechnet, ist das kein Zufall.
Der Zeitplan
- 15. April 2026: Scripts können nicht mehr bearbeitet oder neu veröffentlicht werden.
- 30. Juni 2026: Scripts werden nicht mehr ausgeführt. Rabatte, Versand- und Zahlungsregeln aus Scripts greifen nicht mehr.
Shopify hat den Termin mehrfach verschoben und dann festgeschrieben. Für Shops, die nicht rechtzeitig umgestellt haben, ist die Logik seitdem einfach weg — ohne Fehlermeldung im Checkout.
Was Scripts gemacht haben
Es gab drei Arten: Line-Item-Scripts für Rabatte auf Artikelebene, Shipping-Scripts zum Umbenennen, Ausblenden oder Umsortieren von Versandarten und Payment-Scripts zum Ausblenden oder Umsortieren von Zahlungsarten. Typische Beispiele aus dem DACH-Raum:
- Kauf auf Rechnung nur für Bestandskunden oder unter einem bestimmten Warenkorbwert
- Staffelrabatte „3 für 2“ oder Mengenrabatte für Geschäftskunden
- Express-Versand nur für bestimmte Postleitzahlen oder Artikel
- Kostenloser Versand für Kunden mit bestimmtem Tag
Was sie ersetzt: Shopify Functions
Functions sind kleine Programme, die Shopify direkt in seiner Infrastruktur ausführt — schnell, versioniert und über Apps ausgeliefert. Für jede Script-Art gibt es eine Entsprechung:
- Rabatt-Functions für Artikel-, Bestell- und Versandrabatte — Ersatz für Line-Item-Scripts.
- Delivery Customization zum Ausblenden, Umbenennen und Umsortieren von Versandarten — Ersatz für Shipping-Scripts.
- Payment Customization zum Ausblenden und Umsortieren von Zahlungsarten — Ersatz für Payment-Scripts.
- Cart Transform für Bundles und das Zusammenfassen oder Aufteilen von Positionen.
- Cart- und Checkout-Validierung, etwa für Mindestmengen oder Lieferbeschränkungen.
App oder eigene Function?
Für viele Standardfälle gibt es Apps im App Store, die auf Functions aufbauen und auf jedem Plan laufen: Staffelrabatte, Zahlungsarten nach Regeln, Versandregeln. Sobald die Logik individuell ist — etwa an Ihre Kundengruppen, Ihr ERP oder besondere B2B-Regeln gebunden —, ist eine Custom App mit eigenen Functions der sauberere Weg. Custom Apps mit Functions setzen Shopify Plus voraus.
So prüfen Sie, ob bei Ihnen etwas fehlt
- Im Admin nachsehen, ob der Script Editor noch installiert ist und welche Scripts dort standen — die Beschreibung hilft, die frühere Logik zu rekonstruieren.
- Testbestellungen für typische Fälle durchspielen: Neukunde mit hohem Warenkorb, Geschäftskunde, Express-Versand, Rabattaktion.
- Durchschnittlichen Rabatt, Versanderlöse und den Anteil einzelner Zahlungsarten seit Juli mit den Monaten davor vergleichen. Sprünge zeigen, wo Logik weggefallen ist.
- Kundenservice fragen: Häufen sich seit Juli Fragen zu Rabatten oder Zahlungsarten?
Die Umstellung in der Praxis
Wir gehen in vier Schritten vor: Inventur der früheren Scripts und ihrer Geschäftsregeln, Entscheidung App oder Custom Function pro Regel, Umsetzung und Test in einer Entwicklungsumgebung, dann Livegang mit Vergleich der Kennzahlen. Functions laufen mit festen Ressourcenlimits; sehr komplexe Regeln sollten deshalb vereinfacht werden, statt eins zu eins nachgebaut.
Nicht alles muss zurück
Eine Abschaltung ist eine gute Gelegenheit, alte Regeln zu hinterfragen. Manche Rabattlogik stammt aus einer Kampagne, die längst vorbei ist; manche Zahlungsregel aus einer Zeit, in der ein Anbieter Probleme machte. Bauen Sie nur nach, was heute noch eine Geschäftsentscheidung ist.