Im DACH-Raum ist Shopware der naheliegende Vergleich zu Shopify — deutscher Anbieter, deutsche Rechnungsstellung, deutsche Community. Beide Systeme sind gut. Sie sind für unterschiedliche Situationen gut, und das ist der Punkt, den Vergleichstabellen selten treffen.
Wir bauen Shopify-Shops, also lesen Sie diesen Vergleich mit dieser Brille. Wir haben ihn trotzdem so geschrieben, dass er auch dann nützt, wenn am Ende Shopware herauskommt — denn ein Shop auf der falschen Plattform ist für beide Seiten teurer als ein ehrliches Nein.
Die Kurzfassung
- Shopify ist ein gehostetes System (SaaS): Server, Sicherheit, Updates und Lastspitzen sind Sache der Plattform.
- Shopware gibt es als Cloud-Variante und als Self-Hosted-Installation; die Community Edition ist Open Source, die kommerziellen Pläne heißen Rise, Evolve und Beyond.
- Shopware ist im klassischen B2B mit komplexen Freigaben und Preislogiken ausgereifter.
- Shopify ist bei Betriebsaufwand, App-Ökosystem, Checkout-Conversion und Internationalisierung im Vorteil.
- Rechtlich (Impressum, Widerruf, Preisangaben, DSGVO) ist keins der beiden Systeme ein Hindernis.
Was Shopware wirklich stark macht
Die B2B-Funktionen sind tief integriert: kundenspezifische Preislisten, Angebotsprozesse, Rollen und Freigaben im Einkauf sind Teil des Systems, nicht nachgerüstet. Wer im DACH-Raum klassisches B2B mit gewachsenen Prozessen betreibt — etwa Großhandel mit Rahmenverträgen und Staffelpreisen pro Kunde —, findet dort mehr fertig vor.
Dazu kommt der Rule Builder, mit dem sich Preise, Versandarten und Zahlungsarten an nahezu beliebige Bedingungen knüpfen lassen, und ein offenes Datenmodell, das Entwickler ohne Umwege erweitern können. Bei Self-Hosted haben Sie außerdem volle Kontrolle über Server und Datenhaltung — für manche Branchen ein echtes Argument.
Wo Shopify gewinnt: Betriebsaufwand
Shopware Self-Hosted heißt Server, Updates, Sicherheitspatches und Kompatibilitätstests nach jedem größeren Release. Das sind nach unserer Erfahrung 6–10 Stunden pro Monat, die niemand einplant. Bei Shopify ist Hosting, CDN, PCI-Compliance und Skalierung im Preis — der Aufwand fällt einfach weg.
Am deutlichsten wird der Unterschied an Tagen wie dem Black Friday: Ein Shopify-Shop muss für eine Lastspitze nicht vorbereitet werden, ein selbst gehosteter Shop schon. Wer einmal einen Server während einer Kampagne hochskaliert hat, rechnet diesen Punkt anders ein.
Checkout und Conversion
Der Shopify-Checkout ist einer der am stärksten optimierten der Branche und mit Shop Pay, Apple Pay und Google Pay auf Mobilgeräten sehr kurz. Anpassen lässt er sich über Checkout-Extensions und Functions, allerdings in klaren Grenzen. Bei Shopware ist der Checkout vollständig anpassbar — was Freiheit bedeutet, aber auch, dass jede Optimierung selbst gebaut und getestet werden muss.
Total Cost über drei Jahre
Für einen Shop mit 40.000 € Monatsumsatz: Shopify landet bei etwa 14.000–19.000 € über drei Jahre inklusive Apps. Shopware Cloud liegt ähnlich, Shopware Self-Hosted deutlich höher, sobald man Hosting und Entwicklerstunden ehrlich einrechnet.
Diese Posten gehören in jede ehrliche Rechnung, egal für welches System:
- Lizenz oder Abo sowie umsatzabhängige Gebühren
- Transaktionskosten der Zahlungsanbieter
- Apps beziehungsweise Plugins — einmalig und laufend
- Hosting, CDN und Monitoring (bei Self-Hosted)
- Updates und Kompatibilitätstests nach Releases
- Entwicklerstunden für Änderungen, die im Alltag anfallen
Der Rechtsraum-Mythos
Der häufigste Einwand lautet: Shopify sei nicht DSGVO-konform oder nicht rechtssicher für Deutschland. Das ist so nicht richtig. Impressum, Widerrufsrecht, Widerrufsbutton, Rechnungskauf, Preisangabenverordnung und ein AV-Vertrag lassen sich in Shopify vollständig abbilden — es braucht Sorgfalt, keine andere Plattform.
Richtig ist: Shopify verarbeitet Daten auch in den USA. Die Grundlage dafür ist heute das EU-US Data Privacy Framework zusammen mit Standardvertragsklauseln, und das gehört transparent in die Datenschutzerklärung. Für die allermeisten Händler ist das kein Hindernis, für einzelne Branchen mit besonderen Vorgaben kann es eins sein.
Zahlungsarten und Versand
Klarna, PayPal, Rechnungskauf, SEPA-Lastschrift, DHL, Hermes und DPD sind alle über etablierte Apps oder native Integrationen verfügbar. Das ist heute kein Unterscheidungsmerkmal mehr; vor fünf Jahren war es eines.
Internationalisierung
Mit Shopify Markets verwalten Sie Länder, Währungen, Sprachen und Domains in einem Shop, inklusive länderspezifischer Preise. Shopware löst das über Verkaufskanäle, was flexibel, aber aufwendiger in der Pflege ist. Wer mittelfristig über den DACH-Raum hinaus verkaufen will, sollte diesen Punkt früh gewichten.
Wann Shopware die bessere Wahl ist
- Klassisches B2B mit komplexen Freigabe- und Angebotsprozessen
- Tiefe ERP-Integration, bei der der Shop Logik übernehmen soll, die sonst im ERP liegt
- Ein eigenes Entwicklerteam, das Server und Updates ohnehin betreut
- Besondere Vorgaben zur Datenhaltung, die eine Self-Hosted-Lösung erfordern
Wann Shopify die bessere Wahl ist
- Wachstumsorientierter D2C-Handel mit kleinem Team
- Internationaler Verkauf über mehrere Länder und Währungen
- Schnelles Testen von Kampagnen, Landingpages und Angeboten
- Wenn niemand im Team Server, Updates und Sicherheit verantworten möchte
Unsere Empfehlung
Komplexes klassisches B2B mit gewachsenen ERP-Prozessen und eigenem Entwicklerteam: Shopware verdient einen genauen Blick. Wachstumsorientierter D2C-Handel, Internationalisierung, schnelles Iterieren und ein kleines Team: Shopify. Wir sagen es Ihnen ehrlich, auch wenn die Antwort gegen uns spricht.
Wenn Sie heute auf Shopware 5 sind, ist die Frage meist schon entschieden; den Weg beschreibt der Beitrag Von Shopware zu Shopify, den Wechsel selbst bieten wir als Festpreisprojekt zur Shopify Migration an. Und wenn WooCommerce die Alternative ist: Shopify oder WooCommerce?
Wenn Sie nach dem Vergleich eine Shopify Agentur in Deutschland suchen: Dort steht, wie wir mit Händlern im DACH-Raum arbeiten und was ein Projekt kostet.