Die Umsatzsteuer ist der Teil des EU-Verkaufs, der Shops leise kaputtmacht. Sie verhindert selten einen Launch, aber sie erzeugt anderthalb Jahre später einen Brief vom Finanzamt. Hier die praktische Fassung dessen, was ein Shopify-Shop mit Kundschaft in Österreich, Frankreich oder den Niederlanden eingestellt haben sollte. Steuerberatung ersetzt der Artikel nicht.
Die 10.000-€-Schwelle
Unter 10.000 € Jahresumsatz mit Verbrauchern in anderen EU-Ländern dürfen Sie die deutsche Umsatzsteuer berechnen. Darüber gilt der Steuersatz des Kundenlandes — 20 % in Österreich und Frankreich, 21 % in den Niederlanden, 22 % in Italien, 25,5 % in Finnland. Die Schwelle gilt für alle EU-Länder zusammen, nicht pro Land, und wird sie im laufenden Jahr überschritten, gilt der Kundenland-Steuersatz ab diesem Umsatz.
OSS: eine Registrierung statt siebenundzwanzig
Über den One-Stop-Shop melden Sie die ausländische Umsatzsteuer gesammelt in Deutschland, statt sich in jedem Land zu registrieren. Die Registrierung läuft über das Bundeszentralamt für Steuern, die Meldung erfolgt vierteljährlich bis zum Ende des Folgemonats. Die Aufzeichnungen — Land, Steuersatz, Datum, Betrag — müssen zehn Jahre aufbewahrt werden.
Einstellungen in Shopify
- Unter Einstellungen → Steuern und Abgaben → Europäische Union die OSS-Registrierung hinterlegen. Shopify berechnet dann den Steuersatz je Zielland.
- Märkte in Shopify Markets anlegen und Preisanzeige festlegen: Bruttopreise sind für Verbraucher in der EU der Standard.
- Entscheiden, ob der Bruttopreis überall gleich bleibt (Ihre Marge schwankt je nach Steuersatz) oder der Nettopreis gleich bleibt (der Endpreis schwankt). Shopify unterstützt beides über die Steuereinstellungen.
- Produkte mit ermäßigtem Steuersatz prüfen: Ermäßigungen unterscheiden sich von Land zu Land und müssen je Markt korrekt hinterlegt sein.
- Den Steuerbericht von Shopify jedes Quartal je Land exportieren und mit der OSS-Meldung ablegen.
Unternehmenskunden
Kauft ein Unternehmen mit gültiger USt-IdNr. aus einem anderen EU-Land, ist das eine innergemeinschaftliche Lieferung und gehört nicht in die OSS-Meldung. Die Nummer muss erfasst und geprüft werden; mit Shopify B2B oder einer App lässt sich das im Checkout abbilden. Ohne Prüfung behandeln Sie den Kauf besser wie einen Verbraucherkauf.
Rechnungen
Rechnungen müssen den Steuersatz des Kundenlandes ausweisen. Shopify erstellt keine rechtssicheren Rechnungen von sich aus — das übernimmt Ihre Warenwirtschaft oder Rechnungs-App, die die OSS-Sätze kennen muss. Was dabei zu beachten ist, steht in Rechnungen und E-Rechnung mit Shopify.
Sonderfälle
- Kleinunternehmer: Die Regelung nach § 19 UStG hat eigene Grenzen und Folgen für EU-Verkäufe — klären Sie das vor dem ersten Auslandsmarkt; Grundlagen in Kleinunternehmer mit Shopify.
- Schweiz und Vereinigtes Königreich sind Drittländer: dort gelten Zoll und eigene Mehrwertsteuerregeln, nicht OSS. Mehr in Shopify-Shop für Österreich und die Schweiz.
- Lager in einem anderen EU-Land (z. B. über einen Fulfillment-Dienstleister) kann dort eine eigene Registrierung auslösen.
Steuereinstellungen, Märkte und die Anbindung der Rechnungsstellung richten wir im Rahmen von Shopify-Shop erstellen ein; die steuerliche Beurteilung bleibt bei Ihrer Steuerberatung.