Für viele deutsche Händler sind Österreich und die Schweiz die ersten Auslandsmärkte: gleiche Sprache, ähnliche Kaufgewohnheiten, kurze Wege. Rechtlich und steuerlich sind die beiden Länder aber grundverschieden — und genau daran scheitern viele erste Versuche.
Österreich: EU-Markt mit OSS
Österreich gehört zum EU-Binnenmarkt. Solange Ihre grenzüberschreitenden Verkäufe an Verbraucher in andere EU-Länder insgesamt unter 10.000 € im Jahr liegen, können Sie deutsche Mehrwertsteuer berechnen. Darüber gilt der Steuersatz des Kundenlandes — in Österreich regulär 20 % — und Sie melden diese Umsätze über das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) gesammelt beim Bundeszentralamt für Steuern.
In Shopify hinterlegen Sie die OSS-Registrierung in den Steuereinstellungen; Shopify berechnet dann die Steuer je Land. Entscheiden Sie, ob Ihre Bruttopreise für Österreich gleich bleiben sollen (Sie tragen die Differenz) oder ob sich der Bruttopreis mit dem Steuersatz ändert.
Schweiz: Drittland mit Zoll
Die Schweiz ist nicht in der EU. Jede Sendung wird verzollt, und auf die Einfuhr fällt Schweizer Mehrwertsteuer an — regulär 8,1 %, reduziert 2,6 %. Für kleine Sendungen gibt es eine Besonderheit: Beträgt die Einfuhrsteuer höchstens 5 CHF, wird sie nicht erhoben.
Wer pro Jahr mindestens 100.000 CHF Umsatz mit solchen Kleinsendungen in die Schweiz erzielt, wird dort selbst mehrwertsteuerpflichtig und muss sich registrieren. Dann gelten alle Lieferungen in die Schweiz als Inlandslieferungen, und Sie berechnen Schweizer Mehrwertsteuer direkt.
DDP oder DAP — wer zahlt Zoll und Steuer?
Bei DAP bezahlt der Kunde Einfuhrabgaben und Verzollungsgebühren des Paketdienstes bei der Zustellung. Das führt zu Überraschungen an der Haustür und zu Annahmeverweigerungen. Bei DDP sind die Abgaben bereits im Checkout bezahlt — der Kunde sieht einen Endpreis und bekommt sein Paket ohne Nachforderung. Für die Schweiz konvertiert DDP spürbar besser. Shopify kann Einfuhrabgaben im Checkout berechnen; die Voraussetzungen hängen von Plan und Zahlungsanbieter ab und sollten vor dem Setup geprüft werden.
Shopify Markets einrichten
- Österreich und die Schweiz als eigene Märkte anlegen, nicht nur als Versandländer.
- Währung: Euro für Österreich, Schweizer Franken für die Schweiz — mit festen Preisen oder Rundungsregeln statt krummer Umrechnungskurse.
- Domain oder Unterverzeichnis je Markt festlegen, damit hreflang korrekt ausgespielt wird.
- Sprache: Deutsch für beide, für die Schweiz auf Wunsch mit eigener Variante — dort wird „ss“ statt „ß“ geschrieben.
- Eigene Versandzonen mit realistischen Tarifen und Lieferzeiten.
Zahlungsarten je Land
PayPal, Kreditkarte und Klarna funktionieren in beiden Ländern. In Österreich ist die Online-Überweisung über eps verbreitet, in der Schweiz ist TWINT das beliebteste mobile Zahlungsmittel. Beide sind über gängige Zahlungsanbieter mit Shopify-Anbindung verfügbar — prüfen Sie, ob Ihr Anbieter sie für Ihren Markt freischaltet.
Versand und Retouren
Nach Österreich versenden Sie wie im Inland, nur mit anderen Tarifen. In die Schweiz brauchen Sendungen Zollpapiere, und Retouren sind aufwendiger, weil die Ware wieder in die EU eingeführt wird. Viele Händler arbeiten deshalb mit einem Dienstleister, der Sendungen in der Schweiz sammelt und Retouren dort bündelt.
Rechtliches in der Schweiz
Das Schweizer Recht kennt kein allgemeines gesetzliches Widerrufsrecht für Online-Käufe wie die EU. Viele Händler gewähren Schweizer Kunden trotzdem dieselbe Rückgabemöglichkeit — aus Kundenfreundlichkeit und damit Prozesse einheitlich bleiben. Klären Sie mit Ihrer Rechtsberatung, welche Texte für Schweizer Kunden gelten sollen.
Reihenfolge für den Start
- Österreich zuerst: geringster Aufwand, gleiche Prozesse.
- Schweiz mit kleinem Sortiment testen, DDP einrichten, Retourenweg klären.
- Nach einigen Monaten Umsatz, Retourenquote und Kosten pro Sendung auswerten.
- Bei steigendem Schweiz-Umsatz die Mehrwertsteuerregistrierung rechtzeitig vorbereiten.